24 July 2026, 00:57:28

Autor Thema: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus  (Gelesen 305 mal)

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Beatrice

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1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« am: 25 May 2023, 09:20:10 »
Hallo liebe Teufel,

jetzt also im neuen Thread ;)

Ich kam endlich dazu an Bo zu arbeiten.
Ich habe die Einleitung, in der wir Bo und seinen Bahnhof kennenlernen komplett neu geschrieben und versucht ein Bild zu zeichnen.
Frage an euch:
Ist es mir gelungen? Könnt ihr euch einen Bahnhof vorstellen in dem ein kleiner Kater rumstreunt?
Ich habe auch dem Bösewicht einen Namen und einen Grund gegeben, Bo nicht zu mögen. Gefällt er euch nun besser?


Ein lauter Pfiff hallte von den Wänden des Bahnhofs wieder. Er kündigte die Abfahrt eines Zuges an. Die Lokomotive stieß eine Rußwolke aus und für einen Moment hüllte Rauch den Bahnsteig ein. Bo nieste. Der Bahnhofsvorsteher beugte sich zu ihm hinab.
„Ein wunderschöner Tag, nicht wahr?“
Die Sonne schien durch das verglaste Dach und die Staubkörner tanzten in den Sonnenstrahlen, aufgewirbelt durch die vielen Menschen.
Bo strich dem Bahnhofsvorsteher um die Beine und schnurrte zustimmend. Sehnsüchtig schaute er sich nach den Fliesen um, auf die die Sonnenstrahlen auftrafen. Die mussten wunderbar warm sein, aber ein weiterer Pfiff kündige die Ankunft eines Zuges an und gleich würde es auf dem Bahnsteig nur so vor Beinen wimmeln.
Bo rollte sich unter einer Bank zusammen. Von hier aus hatte er alles im Blick. Auf einer Bank, nicht weit von ihm, saß ein Mann. Er hatte einen Blumenstrauß auf dem Schoss und sah immer wieder nervös auf seine Taschenuhr. Als der Zug einfuhr, stand der Mann auf und lief ihm entgegen. Immer wieder strich er sich seine Weste glatt. Der Zug hielt und eine junge Frau stieg aus, sah sich um und als sie den Mann erblickte breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Sie fielen sich in die Arme und der Mann schwang sie im Kreis herum. Bo spürte einen Stich im Herzen. Er hatte schon viele solcher Begegnungen gesehen und jedes Mal wünschte er sich, auch einen Ort zu haben, an den er gehörte und wo man sich freute, wenn man ihn sah.
„Mami, schau! Eine kleine Katze!“
Ein Kind hatte ihn entdeckt.
„Die ist ja süß“, sagte die Mutter. „Im Schatten unter der Bank hätte ich sie fast nicht gesehen, so schwarz ist das Fell.“
Er strich den beiden kurz um die Beine, doch dann stieg ihm der Geruch nach Würstchen in die Nase und er ging dem Geruch nach. Abgelenkt von der Erinnerung an den Moment eben und der Aussicht auf ein Häppchen, bemerkte er den großen Kater, der sich ihm in den Weg stellte, zu spät.
„Hallo Bo.“
„Hallo Mick.“ Bo wich dem Kater aus und setzte seinen Weg fort.
„Was treibst du so?“ Mick heftete sich an seine Fersen.
„Ach, nichts besonderes.“ Hoffentlich hörte Mick das Zittern in seiner Stimme nicht. Mick war ein großer Maine Coon Kater. Sein Fell war struppig und ihm fehlte ein Stück seines linken Ohres. Er lebte schon länger in dem alten Bahnhof und als Bo neu hierher kam, wollte er sich Mick anschließen, aber er merkte schnell, dass er unerwünscht war. Er hänselte Bo wann immer ihm danach war. Meist machte er sich lustig über sein seidiges schwarzes Fell, das so gar nicht zu einem Kater passte, der auf der Straße lebte. Aber dafür konnte er doch nichts. Bo verstand nicht, warum er ihn deshalb aufziehen musste. 

diffusSchall

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #1 am: 26 May 2023, 12:00:31 »
Hi Beatrice,

das liest sich für mich sehr viel stimmiger, als die erste Fassung.
Dampfloks, das verglaste Dach, ich habe das Bild eines Bahnhofs aus dem 19. Jahrhundert im Kopf, mit seiner typischen eisernen Deckenkonstruktion.
Die Fliesen haben mich irritiert, weil ich die sofort an der Wand sah. Aber du meinst wohl Bodenfliesen. Vielleicht solltest du die gleich so benennen.
Schön, dass der Bösewicht jetzt einen Namen hat. Da ist man direkt näher an der Figur.
Gleich bei der Begrüßung der beiden würde mich eine Reaktion Bos freuen. Ein Zusammenzucken wenn er Micks Stimme hört, dass du gleich zeigst, dass es sich hier um einen Rivalen/Gegner handelt.

Ein paar Wortwiederholungen springen mir ins Auge: Bank/Bank und das ein oder andere "Mick" kann weg.

Und noch ein technisches Detail: Meines Wissens stoßen Dampfloks eine Mischung aus Rauch und sehr viel mehr Wasserdampf aus. Aber auf keinen Fall ganze Rußwolken. Es sind ja (Wasser-)Dampfmaschinen.

Alles in allem ein spürbarer Fortschritt.    :)

LieGrü - Frank
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Beatrice

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #2 am: 26 May 2023, 16:00:08 »
Hallo Frank, lieben Dank für deine Rückmeldungen. Das mit den Wortwiederholungen ist mir auch aufgefallen. Ein paar "Mick" weniger wären gut. Die anderen Anmerkungen werde ich einarbeiten. Ich freue mich aber auf jeden Fall, dass es diesmal besser klingt. Und ja, genau das Bild eines so alten Bahnhofs wollte ich zeichnen 🤗

Paul

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #3 am: 27 May 2023, 09:59:52 »
Hallo Bea

Ich habe die erste Fassung deiner Geschichte leider nicht gelesen, von daher kann ich dir nicht sagen, wie sich diese Geschichte im Vergleich dazu liest, aber ich kann dir gern eine Rückmeldung zu dieser Fassung geben.

Erstleseeindruck:

Die Geschichte liest sich flüssig und nimmt mich als Leser auf angenehme Weise in ihre Welt mit hinein. An manchen Stellen ist sie mir eine Stelle zu ausführlich erzählt, doch passt der Erzählstil zum Inhalt der Geschichte. Ich stolpere immer wieder an kleinen Stellen, an denen ich von meinem Sprachgefühl die Wörter umstellen würde, doch bin ich selbst nicht gerade ein Experte in diesen Fragen, so dass ich meinem Urteil an dieser Stelle nicht zu sehr trauen würde. Insgesamt eröffnet die Szene auf eine angenehme Weise eine größere Geschichte, in der der Protagonist in seiner Welt für den Leser / die Leserin eingeführt wird, und zugleich der Antagonist, der die Geschichte weiter vorantreibt, zum ersten Mal auftaucht.

Zu deinen Fragen

Ist es mir gelungen? Könnt ihr euch einen Bahnhof vorstellen in dem ein kleiner Kater rumstreunt?

Ja, für mich hat die Szene alles, um in meinem Kopf ein Bild von dem Bahnhof und den Abläufen dort zu zeichnen. Du hast die Figuren auf eine natürliche Weise miteinander verknüpft, die Abläufe sind in sich stimmig, es gibt Nebenbeobachtungen, die das Bild bunter machen und es gibt keine Stelle, an der ich - sei es aus sprachlichen oder aus inhaltlichen Gründen - aus der Geschichte herausfalle.

Ich habe auch dem Bösewicht einen Namen und einen Grund gegeben, Bo nicht zu mögen. Gefällt er euch nun besser?

Ich kann dir nicht sagen, ob es mir besser gefällt, ich kann dir nur sagen, dass die Geschichte in dieser Form für mich als Leser gut funktioniert. Ich nehme Bo seine Reaktionen ab - und ich kann mir vorstellen, wie Mick ihm folgt - und Bo in Angst und Schrecken versetzt.

Anmerkungen:

Ich habe geschrieben, dass mir manches in deiner Geschichte eine Spur zu ausführlich war. Umgekehrt ist es toll, wenn man eine Geschichte mit Details füllt. Die Details machen die Geschichte lebendig.

Zitat
Ein lauter Pfiff hallte von den Wänden des Bahnhofs wieder. Er kündigte die Abfahrt eines Zuges an. Die Lokomotive stieß eine Rußwolke aus und für einen Moment hüllte Rauch den Bahnsteig ein. Bo nieste. Der Bahnhofsvorsteher beugte sich zu ihm hinab.

Du beginnst deine Geschichte mit einem lauten Pfiff, der durch den Bahnhof hallt. Bei dir hallt er jedoch von den Wänden wieder. Das ist ein Detail, das ich für meine Vorstellung nicht unbedingt brauche. Umgekehrt, wenn du die Wände einführst, würde ich das "laut" vor dem Pfiff weglassen. Beides zusammen ist mir eine Spur zu viel. Aber wie gesagt, das ist mein "Gefühl". Und damit auch immer eine Geschmacksfrage.

Dann kommt bei dir eine "Erklärung": Er kündigte die Abfahrt eines Zuges an. Das ist unnötig. "Show it, don´t tell it."

Das "show it" machst du im nächsten Satz: Dort zeigst du, was der Pfiff bedeutet. Von daher kannst du die Erklärung davor weglassen.

Bo nieste. - Das ist toll. Kurz und knapp. Dazu eine Handlung.

Der Bahnhofvorsteher beugte sich zu ihm hinab. - Da stolpere ich dagegen eher wieder: Bo ist die Hauptfigur, er kann später beschrieben werden. Durch seine Augen sehe ich die Geschichte. Doch wie sieht Bo den Bahnhofvorsteher? Wie sieht der Mann aus? Welche Details an ihm nimmt Bo wahr?

Du schreibst:

Zitat
Er hatte einen Blumenstrauß auf dem Schoss und sah immer wieder nervös auf seine Taschenuhr.

Ich würde hier das "nervös" streichen. Es erklärt ein Gefühl, zeigt aber nichts. Man kann nicht nervös blicken, man kann nur nervös sein.

Zitat
Immer wieder strich er sich seine Weste glatt.

Ich würde entweder schreiben: Immer wieder strich er sich über seine Weste - oder aber: Immer wieder strich er seine Weste glatt.

Aber, wie gesagt, das alles sind Kleinigkeiten. Insgesamt ist deine Geschichte in sich rund und entfaltet die Szene für mich auf eine schöne Weise.

Paul  :)
« Letzte Änderung: 27 May 2023, 10:06:53 von Paul »
"Es ist besser, einige der Fragen zu kennen, als alle Antworten." (James Thurber)

Beatrice

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #4 am: 27 May 2023, 17:35:23 »
Hallo Paul, vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich werde das bei der nächsten Überarbeitung berücksichtigen. Da werde ich mir das auch mal aufnehmen. Da hört man dann ganz gut unnötige Worte. Hauptsache ich muss nicht wieder komplett von vorne anfangen 😉

merin

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #5 am: 27 May 2023, 21:48:53 »
Hi Beatrice,

auch ich sehe eine Verbesserung. Aber: Ich finde da ganz viel übererklärt und sprachlich holpert es arg. Solche Sachen, wie dass der Zug mehrfach angekündigt wird, stören mich und reißen mich raus. Vielleicht bin ich da aber auch nur besonders streng.

Ich versuche es mal an einem Abschnitt zu sezieren:

Zitat
Ein lauter Pfiff hallte von den Wänden des Bahnhofs wieder. Er kündigte die Abfahrt eines Zuges an. Die Lokomotive stieß eine Rußwolke aus und für einen Moment hüllte Rauch den Bahnsteig ein. Bo nieste. Der Bahnhofsvorsteher beugte sich zu ihm hinab.
„Ein wunderschöner Tag, nicht wahr?“

Was ein Pfiff auf einem Bahnhof bedeutet, weiß man eigentlich, denke ich. Darum kannst du den zweiten Satz streichen. "Das für einen Moment" würde ich streichen, weil es einfach nicht stimmt: Rußwolken sind ziemlich penetrant. Und der Bahnhofsvorsteher redet mit der Katze? Da machst du eine Spur auf, die du aber nicht verfolgst. Einen roten Faden, der nur eine falsche Fährte ist. Was ist die richtige?

Zitat
Die Sonne schien durch das verglaste Dach und die Staubkörner tanzten in den Sonnenstrahlen, aufgewirbelt durch die vielen Menschen.

Das finde ich gelungen. Atmosphärisch schön.

Zitat
Bo strich dem Bahnhofsvorsteher um die Beine und schnurrte zustimmend. Sehnsüchtig schaute er sich nach den Fliesen um, auf die die Sonnenstrahlen auftrafen. Die mussten wunderbar warm sein, aber ein weiterer Pfiff kündige die Ankunft eines Zuges an und gleich würde es auf dem Bahnsteig nur so vor Beinen wimmeln.

Das haut mich wieder raus. Pfeift der Vorsteher wieder? Eben sagtest du, es sei voll, wie kann es da ruhige Fliesen geben? Außerdem ist der Satz kompliziert:
"Sehnsüchtig schaute er sich nach den Fliesen um, auf die die Sonnenstrahlen auftrafen."
Besser wäre so etwas wie: "Sehnsüchtig schaute er zu den sonnenwarmen Fliesen."
Auch darum, weil es unlogisch ist, dass er sich umdreht. Wieso sollte er das tun und sich an etwas erinnern, das hinter ihm ist? Außerdem kündigst du nun an, dass es voll wird, was du uns eben schon gesagt hast.

Dass Mick einen Namen hat, finde ich eine Verbesserung. Dass er eifersüchtig ist, weil Bo schöner ist, überzeugt mich immer noch nicht. Die Begegnung zwischen den beiden ist aber sehr viel plastischer geworden.

Was hier fehlt, ist meines Erachtens eine klare Szenenplanung. Mir hilft dabei die Vorstellung, dass die Dinge, die benannt werden, wie Perlen auf einer Schnur sind oder Stationen an einem Weg oder auch wie eine Kamerafahrt. Alles, was gezeigt wird, muss einen Sinn haben. Und dieser Sinn sollte auf den Fokus der Geschichte verweisen. Wenn ich mich richtig erinnere, geht es hier um zwei Dinge: die Bedrohung durch Mick (ist drin) und die Sehnsucht (ist auch drin, sollte aber noch gestärkt werden). Ich fände es daher logischer, wenn Bo mit der Aufmerksamkeit erstmal noch bei den Zügen und dem, wofür sie stehen, bliebe. Wie viele Ablenkungen die Szene dann verträgt, ohne zu zerfleddern, musst du ausprobieren.

Die Begrüßungsszene ist für meinen Geschmack zu generisch. Dadurch bleibt sie farblos. Da musst du meines Erachtens noch etwas ausmalen.

So far ...
merin
« Letzte Änderung: 27 May 2023, 21:58:52 von merin »
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Beatrice

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #6 am: 28 May 2023, 19:26:51 »
Was heißt "generisch"? 🤔

Paul

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #7 am: 29 May 2023, 08:10:28 »
Hallo Beatrice

Nein, du musst nicht von vorne anfangen. Die Geschichte ist in dieser Form schon sehr rund. Alles passt soweit zusammen. Jetzt geht es eher um das Feilen an den Details.

Paul  ;)
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merin

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #8 am: 29 May 2023, 09:41:38 »
Was heißt "generisch"? 🤔

allgemein(gültig), x-beliebig, nicht ausgestaltet.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

The_Reptilian

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #9 am: 07 June 2023, 10:31:08 »
Ich würde Bo bereits um die Beine des Bahnvorstehers laufen lassen, kurz nachdem der Vorsteher ihm sagt, dass heute ein wundervoller Tag ist. Dann bildet sich in meinem Kopf sofort das Bild einer Katze/Katers (wie gendert man das bloß  :rotwerd:). Der Satz mit den Staubkörnchen dazwischen aber fordert eine Gedankenpause ein, so dass ich erst glaubte, Bo sei ein Mensch (ich hatte einfach so getan, als hätte ich deine vorherige Version nicht gelesen). Ich würde den Staubkörnchen- Satz vor dem Bahnvorsteher nennen und dass diese Staubkörnchen von dem Menschen verwirbelt werden, um eine Gedankenkette und somit einen „geschlossenen Film“ zu bieten.

Qwertner

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #10 am: 28 August 2023, 20:30:16 »
Hallo Beatrice,

noch an weiteren Gabelstichen interessiert?

LG Qwertner

Musawind

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #11 am: 19 September 2024, 13:15:36 »
Hallo Beatrice,

ich bin heute auf deine Geschichte gestoßen. Zuerst einmal: Ich finde sie schön.
Zwar gab es auch für mich Holprigkeiten, doch die kannst du ja glätten, hast es vielleicht schon getan. Und zu solchen haben andere schon viel gesagt und die Zeit ist ja weit ins Land gegangen, dass ich nicht glaube, dass Detailkritik jetzt noch Sinn macht?

Dagegen will ich einen Punkt ansprechen, der mir beim Nachsinnen über die Geschichte durch den Kopf ging. Allerdings fürchte ich, er mag vielleicht nicht so hilfreich für dich sein. Aber da wir nun mal Teufelsgäbelchen in Händen führen, wage ich‘s.
Angestoßen bin ich an der Wahl deines Protagonisten, sprich: einer Katze.
Ich glaubte zu verstehen, dass das Thema „Sehnsucht“  in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt. Falsch? Wenn dem aber so ist, frage ich, warum wählst du dafür eine Katze? Ich hatte ein Jahr lang eine solche in meiner Wohnung, betreute sie für Freunde, die die Zeit weggezogen waren. Ich sehe noch, wie wir zusammen vor dem Kohleofen saßen, die Klappe weit offen, um die glutroten Kohlen zu betrachten - was man nicht machen soll. Ich saß  also in meinem Sessel, das Kätzchen auf dem Schoss. Katzen sehen einen direkt an. Und alles, was ich in ihren Augen las, war Hingabe pur. Das ist nur eine Situation. Aber auch sonst gab es Gefühle genug, die ich in die Augen meiner Katze hineinprojizieren konnte, aber nie und nimmer 'Sehnsucht'.  Dies denke ich: Wenn Katzen etwas wollen - und ist Sehnsucht etwa etwas anderes, als ein 'Wollen von ganzem Herzen?' - dann tun sie‘s oder sie warten solange, bis sie‘s kriegen –  Maus. Oder sie drehn sich um und lassen‘s.
Zu einem kleinen Hund hingegen würde Sehnsucht  passen.

Nun hast du dich für eine Katze entschieden. Und ich glaube, für Kinder spielt das auch keine so große Rolle. Kinder nehmen so was nicht so eng. Schließlich soll das Kind ja das Gefühl von der eigenen Sehnsucht in das Kätzchen projizieren und das wird es tun.

Vielleicht liege ich aber ganz daneben und viele KatzenbesitzerInnen sehen Sehnsuch pur in den Augen ihrer Katze. Dann vergiss meine Worte.
Die Kinder werden ihre Freude haben an der Geschichte.

Viel Glück
Musawind
« Letzte Änderung: 19 September 2024, 13:18:48 von Musawind »

merin

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #12 am: 19 September 2024, 14:06:36 »
Hi Musawind,

ich bin gespannt, ob Beatrice noch einmal auftaucht. Ich freu mich sehr, dass du hier rege Röstungen erstellst, allerdings denke ich, es wäre besser, wenn du dich in die aktuellen Threads einklinkst, wo dann auch ein Austausch entsteht und du Reaktionen bekommst. Beatrice hatte ja schon auf die letzte Frage nicht reagiert, daher fürchte ich, sie ist uns abhanden gekommen.
Ich jedenfalls würde mich sehr freuen, wenn du meinen letzten (leider ziemlich langen und daher zweigeteilten) Text besenfst.  :devgrin:

Liebe Grüße
merin
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Musawind

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #13 am: 21 September 2024, 19:14:47 »
Hallo Merin,
Du hast ja recht.
Ich finde es echt schwierig, Passendes zu finden, wozu ich glaube, schreiben zu können.
Gelesen habe ich inzwischen recht viel. Doch als Neuling wollte ich dann lieber alles lesen, was ihr dazu geschrieben habt. Und dann fiel mir nichts mehr dazu ein. Ich spüre einfach noch recht große Unsicherheit.
Aber danke für dein Angebot,  mit deinem Text das "Grillen" zu proben. Ich nehme mir vor, dann die Antworten ungelesen zu lassen.
Lieber Gruß.  Michaela



merin

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #14 am: 22 September 2024, 10:15:49 »
Ach, häng deine Messlatte nicht so hoch. Jeder Leser*inneneindruck ist hilfreich und wichtig, wenn er sachlich vorgetragen wird. Begründungen sind schön und hilfreich, aber wenn du nur merkst "an der Stelle holpere ich irgendwie und kann nicht festmachen wieso" ist das auch eine hilfreiche Rückmeldung. Ich finde es außerdem immer gut, wenn Sachen ggf. auch mehrfach benannt werden. Wenn eine Person meint, dass Satz xy nicht verständlich ist, dann hat die vielleicht schlecht geschlafen. Aber wenn drei Leute das sagen, dann habe ich wahrscheinlich schlecht formuliert.  ;) Insofern: nur Mut!

Ansonsten kann es natürlich immer noch sein, dass dir eine bestimmte Schreibe oder ein Genre nicht liegt und dann ist es auch okay, das entweder zu schreiben oder schweigend links liegen zu lassen.
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eska

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Re: 1. Überarbeitung Bo und der Wanderzirkus
« Antwort #15 am: 01 December 2024, 00:03:17 »
Hallo Beatrice;

ich habe hier schon lange nichts mehr geschrieben, aber der Beginn deiner Geschichte (und der Titel) gefällt mir. Deshalb hier ein paar Überlegungen beim Lesen. Greife auf, was dir einleuchtet und lass dich vom Rest nicht irritieren, bitte. Ich habe keine andere Röstung gelesen, falls sich etwas doppelt.

1. Die Sätze im ersten Absatz haben alle genau das gleiche Strickmuster. Ein bisschen Variation durch Umstellen kann dem Gleichmaß und der Gefahr von friedlicher Langeweile gerade am Anfang, wo du die Leser reinziehen willst, entgegenwirken.
2. Überhaupt ist alles sehr friedlich und in Ordnung für Bo, bis Mick auftaucht. Liest jemand überhaupt bis dahin? Vielleicht kannst du weiter vorne schon ein Problem andeuten, z.B. Kälte. Wenn der Bahnhofsvorsteher den Tag wunderschön nennt, könnte der Kater sowas denken wie: Klar, für Menschen mit einem warmen Zuhause.
3. Lokomotive mit Rußwolke = versetzt mich sofort weit in die Vergangenheit. Da will ich genauer wissen, in welche Zeit und mehr historische Details sehen/hören/riechen...
4. Du schreibst von vielen Menschen, die Staub aufwirbeln, von deren Beinen es wimmelt. Das muss ein größerer Bahnhof sein, was ich sonst an nichts festmachen kann; auch die Menge an Menschen sehe ich noch nicht. Es würde helfen, wenn Bo viele einzelne Eindrücke zusammensetzen würde, die dann ein großes Gewimmel ergeben.
5. Warum sieht Bo den wartenden jungen Mann, als gäbe es sonst niemanden? Entweder ist da gerade kaum jemand oder dieser wird wichtig, aber auch dann sollte irgendetwas ihn für Bo interessant machen. Isst er etwas? Sitzt er genau im warmen Sonnenfleck? Spiegelt sich etwas (seine Armbanduhr oder so) bei seinen unruhigen Bewegungen auf dem Boden wie ein Laserpunkt, den die Katze verfolgt? Ist es ein Gartenblumenstrauß mit Katzenminze drin? (Achtung, Jahreszeit muss stimmen.)
6. Ob eine Katze Sehnsucht fühlt, weil Menschen sich umarmen? Das ist viel Analogie vorausgesetzt. Aber da Katzen weder lächeln, noch sich umarmen, noch sich herumschwenken, muss meines Erachtens erst eine Art Übersetzung stattfinden. Vielleicht so:

Zitat
Bo spürte einen Stich im Herzen. Er hatte schon viele solcher Begegnungen gesehen und
wartete darauf, dass die beiden eng aneinander geschmiegt den Bahnhof verließen. Am schönsten war es, wenn einer die magischen Worte sagte: Komm, gehen wir nach Hause.
Zitat
Jedes Mal wünschte er sich dann, auch einen Ort zu haben, an den er gehörte und wo man sich freute, wenn man ihn sah.

7. Woher riecht es nach Würstchen und warum verliert Bo diese Fährte gleich aus den Augen? Wenn Mick ihm die Beute streitig machen würde, benenn diese Gefahr ruhig.

8.
Zitat
als Bo neu hierher kam, wollte er sich Mick anschließen, aber er merkte schnell, dass er unerwünscht war.

Da das zeitlich früher liegt, muss es hierher gekommen war, hatte wollen und hatte gemerkt heißen.

9.
Zitat
als Bo neu hierher kam, wollte er sich Mick anschließen, aber er merkte schnell, dass er unerwünscht war. Er hänselte Bo wann immer ihm danach war. Meist machte er sich lustig über sein seidiges schwarzes Fell, das so gar nicht zu einem Kater passte, der auf der Straße lebte. Aber dafür konnte er doch nichts.
Überprüfe die Pronomen. Jedes bezieht sich immer auf das Nomen im Satz davor. Hier geraten die er/sein durcheinander.
Vorschlag: Mick hänselte Bo/dessen schwarzes Fell/dafür konnte Bo doch nichts.

Viel Erfolg beim Überarbeiten!

eska