24 July 2026, 00:57:29

Autor Thema: Utopia - Anfang  (Gelesen 130 mal)

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jcl

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Utopia - Anfang
« am: 12 September 2024, 15:18:15 »
Der Anfang des Folgeromans zu 'Arcadia', Rahmen und erste 2 Seiten. Für Neu-Leser gibt es einen Infodump mit einer Kurzfassung der Lage. Mich interessiert vor allem, ob das funktioniert. Und natürlich auch auch, was sonst auffällt. - Bitte nicht ins Höllenfenster.

I  Kibundu, Demokratische Republik Kongo, Gegenwart

Sie standen im Schatten des Wellblechdachs und beobachteten die Soldaten, die ihren Landrover filzten. Professor Lind rauchte. Etwas macht sie nervös, dachte Max. Himmel, hoffentlich hat sie nicht irgendeinen Scheiß in dem Wagen versteckt. Einen Spaten könnte man erklären. Wer über diese Straßen fährt, braucht einen Spaten. Aber Sandsiebe oder womöglich ein Bodenscanner oder Metalldetektor würde sie beide in große Schwierigkeiten bringen. Das ganze Gebiet war für Grabungen gesperrt. In den Bergen gab es Coltan-Vorkommen.
Ein Windstoß blies Staub über die Piste. Er trug den Geruch von feuchtem Gras und Exkrementen mit sich. Vor einer Baracke des Checkpoints war ein Zwergschimpanse an einer Kette angebunden. Soldaten standen um das Tier herum, lachten und hielten ihm Bierdosen hin, um es betrunken zu machen. Aber der Affe reagierte nicht. Er starrte aus glasigen Augen vor sich hin. Die Soldaten trugen keine Uniformhemden, sondern T-Shirts mit dem Bild des Präsidenten. Wenn es überhaupt Soldaten waren. Der Teufel soll sich hier auskennen.
Endlich war der Offizier mit dem Durchblättern der Papiere fertig. Professor Lind hatte in ihren Pass einen 20.000-Franc-Schein hineingelegt. Der Offizier hielt den Schein mit spitzen Fingern hoch.
„Qu’est-ce que c’est?“
Lind ließ die Zigarette fallen und trat sie mit dem Fuß aus. „Es sieht wohl nach einem Geldschein aus, Monsieur“, sagte sie. Gott, dachte Max, dies ist nicht der Ort, den Klugscheißer zu spielen.
Der Offizier starrte Lind aus rot unterlaufenen Augen an. Er war von bulliger Gestalt und einen Kopf kleiner als die Professorin. „Wollen Sie mich bestechen?“
„Natürlich nicht. Der Schein muss wohl in meiner Handtasche dort hineingerutscht sein.“
„Sie glauben, in Afrika sind alle korrupt? Sie glauben, hier sind alle Wilde?“
„Natürlich nicht, Monsieur.“
„Was wollen Sie in unserem Land?“
„Eine Feldstudie durchführen. Wir untersuchen den Lebensraum des Hakenschnabelwürgers in den Itombwe-Bergen.“
Hoffentlich stellt er mir keine Fragen zu diesem verdammten Vogel, dachte Max. Laut ihren Permits waren sie Biologen der Uni Hamburg, doch von Biologie hatte er keine Ahnung. Er war ja auch nur der Praktikant. Professor Lind selbst konnte sich natürlich aus jeder Lage herausquatschen.
„Sie wissen, dass das Banditenland ist? Sind Sie verrückt? Für Ihre Sicherheit können wir nicht garantieren.“
„Wir sind nur Wissenschaftler. Bei uns gibt es nichts zu stehlen.“
„Können Sie beweisen, dass der Geldschein Ihnen gehört?“
„Ich fürchte nein, Monsieur.“
„Dann ist er eine Fundsache. Wir werden ihn verwahren, bis der Eigentümer feststeht. Haben Sie Einwände?“
Professor Lind lächelte. „Sie tun nur Ihre Pflicht.“

* * *

Lind fuhr. Sobald sie außer Sichtweite des Checkpoints waren, schlug sie gegen die Verkleidung der Fahrertür. „Ha!“, rief sie.
„Sie haben doch nicht etwa -“
„Meine Ausrüstung da drin verstaut? Aber sicher doch.“
„Aber wir machen nur Fotos. Keine illegalen Grabungen. Das war doch von vornhinein klar.“
„Sie können ja weggucken, Max.“
Der Landrover hatte kein Radio, aber Professor Lind ließ den Arm aus dem Fenster baumeln, steuerte einhändig und sang aus voller Kehle. Sie hatte anfangs versucht, Max zum Mitsingen zu animieren. Doch er hatte keine Lust.
Über dem See auf der rechten Seite flimmerte der Dunst. Eine Rotte Warzenschweine wühlte abseits der Piste im Boden. Beim Näherkommen wandten sie ihnen die Hinterteile zu und galoppierten davon. Vor ihnen kam eine Siedlung in Sicht: Buden aus Spanplatten und Wellblech links und rechts der Piste, bunt angemalt und gruppiert um Kneipen und ein Verwaltungsgebäude. Doch Lind bog vorher auf eine Seitenpiste ab. Sie fuhren jetzt weg vom See in Richtung der Itombwe-Berge. Oder vielmehr in Richtung einer Wolkenschicht, hinter der Max die Berge vermutete.
„Jetzt beginnt das Abenteuer“, sagte Lind. „In den Bergen da vorn gibt es keine Dörfer, sie sind weiße Flecken auf der Landkarte. Wer weiß, wohin uns das Fragment führt – vielleicht direkt ins Reich des Priesters Johannes. Nicht schlecht für Ihre erste Exkursion, was, Max?“
Max schwieg. Im Mittelalter war das Reich des Priesters in allen möglichen Gegenden verortet worden, von der Mongolei bis Äthiopien, doch Professor Lind vermutete den Ursprung der Legende in Zentralafrika. Mit dieser Theorie stand sie ziemlich allein da. Der Anlass für ihre Exkursion war das kürzlich entdeckte Kreutzner-Fragment. Aus den verstümmelten Seiten ergab sich nach Linds Ansicht ein authentischer Reisebericht aus dem Inneren Afrikas im frühen 18. Jahrhundert. Das allein wäre eine Sensation, auch ohne Hinweise auf den legendären Priester. Landläufig galten Burton und Speke als die ersten Europäer, die in diese Gegenden vorgedrungen waren.
Der Himmel hatte sich inzwischen bezogen. Die Sonne war jetzt ein gleißender Fleck hinter einer Dunstkuppel, doch die Hitze ließ nicht nach. „Wir bekommen Regen“, sagte Lind. Es ging stetig bergauf, durch eine karge Landschaft von Felsbuckeln, Tamariskensträuchern und gelbem Gras. An manchen Stellen hatte der Wind den Sand von der Piste geblasen, und der Landrover holperte über nackten Fels. Fern im Norden sah Max die Gipfel der Mondberge, fünftausend Meter hoch, die das Wetter in dieser Region prägten. Von dort zogen Quellwolken herüber.
Professor Lind blickte auf das GPS. Die Piste bog jetzt nach Süden ab, doch Lind schaltete den Vierradantrieb ein und fuhr die niedrige Böschung hinab in ein wasserloses Flussbett. Das Fahren auf Sand und Kies war angenehmer als auf der buckligen Piste. Einmal blieb der Landrover im feuchten Sand stecken, und sie mussten die Seilwinde einsetzen, um ihn freizubekommen. Die Vegetation veränderte sich. Das Flussbett wurde enger, und moosüberwucherte Bäume neigten sich darüber und vermittelten den Eindruck eines Tunnels. Herabhängende Flechten streiften das Dach des Landrovers. Max schätzte, dass sie jetzt etwa 1500 Meter hoch waren. Wenigstens gab es in dieser Höhe keine Moskitos.
„So still, Max?“, fragte Lind. „Denken Sie schon an Ihren künftigen Ruhm?“
„Nein, Professor, eher an die Gefahr für meine Reputation. Ich wurde vor Ihnen gewarnt.“
„Was denn? Angst, dass ich Ihnen zu nahe trete? Träumen Sie weiter.“
„Nein, ich meine Ihre unorthodoxen Methoden. Außerdem suchen wir vielleicht nach einem Phantom. Professor Jones hat im Journal of Archaeology das Kreutzner-Fragment als Fälschung bezeichnet. Er hat die Schrift analysiert.“
„Jones ist ein Idiot. Er könnte eine Minuskel nicht von einer Hieroglyphe unterscheiden.“
Moosbewachsene Felsbrocken versperrten den weiteren Weg. Lind stellte den Motor ab. Es war vollkommen still, als hätte ihr Eindringen die Natur zum Schweigen gebracht. Keine Papageien kreischten, nichts raschelte zwischen den Bäumen. Hinter der Verkleidung der Fahrertür brachte Lind ein Bündel mit Kellen und Bürsten zum Vorschein, ein aufgerolltes Siebgitter und einen flachen Metalldetektor, wie ihn Schatzsucher oder Raubgräber benutzen.
„Da!“, rief Max. „Genau das meinte ich!“
„Haben Sie sich nicht so“, erwiderte Lind. „Erste Archäologenregel: Nutze jede Gelegenheit. Wer weiß, ob wir je wieder in diese Gegend kommen.“
Sie stopfte die Ausrüstung in ihren Rucksack. Dann klappte sie die Motorhaube auf, baute den Verteilerfinger aus und versteckte ihn unter einem Stein. Zum Abschluss breiteten sie ein Tarnnetz über den Wagen und verwischten die Reifenspuren.
„Bereit, Max?“
Max zögerte. Er wusste, er konnte jetzt einfach die nächsten Tage im Wagen sitzen und die Rückkehr der Professorin abwarten. Das Praktikum würde trotzdem anerkannt. Das hatte sie ihm zugesichert. Doch dann blickte er zu den Bergen. Die Wolken waren für einen Moment aufgerissen. Schroffe Klippen und Felsterrassen leuchteten in vereinzelten Sonnenstrahlen. Sie wirkten greifbar nah, höchstens einen Tagesmarsch entfernt. Das Reich des Priesters Johannes würden sie dort sicher nicht finden, doch irgendetwas, das er nicht genau bestimmen konnte, lockte ihn zu diesen Bergen.
„Hören Sie auf Ihre innere Stimme, Max. Das hat dieser Kreutzner auch getan, wenngleich er sie personalisierte. Wie lautet der erste Satz auf der ersten Seite des Fragments?“
Max kannte ihn mittlerweile auswendig. „Gabriel Archangelus hodie iterum ad me locutus est.
„Richtig. Die zweite Regel: Höre auf den Engel!“
Sie schulterten die Rucksäcke und marschierten los.

II  Madinat Zanjibar, 3. Januar 1702

Heute sprach der Erzengel Gabriel wieder zu mir. Vom Achterdeck der Hakim Ki Izzat aus beobachtete ich das Treiben im Hafen, da vernahm ich seine Stimme deutlich in meinem Kopf. Die Stimme sagte: „Schreib auf!“ Es konnte nur der Erzengel sein. Früher redete Gott mit mir, doch er hatte mich seit meiner Konversion zum Islam verlassen. Aber Engel, wie auch Dämonen, wandern zwischen allen Religionen herum.
„Was soll ich aufschreiben?“, flüsterte ich und blickte dabei über die Schulter. Es ist nicht gut, vor anderen Leuten mit Engeln zu reden. Doch ich war allein an Deck. Der Wesir und sein Gefolge bereiteten sich in der großen Kabine mit Gebeten auf unser Unterfangen vor.
Der Erzengel schwieg. Das ist so mit den Engeln oder Göttern, ihre Forderungen sind oft vage oder schwer zu erfüllen. Von Mohammed verlangte der Engel einst zu lesen, tausend Jahre ist es her. Doch der Prophet war des Lesens nicht mächtig. Ich kann immerhin schreiben. Ich besitze Federn, Tuschestein und bestes arabisches Papier, mit Stärke behandelt und geglättet mit poliertem Achat. Ich hatte es in Bombay erworben, um ein Vokabular der Sprache Tesfays anzufertigen, des Wilden aus dem Inneren Afrikas. Aber ich will nun auf den Engel hören und auf diesem Paper ein Logbuch führen. Ich werde von jetzt an meine Erlebnisse und Beobachtungen festhalten, wann immer ich die Gelegenheit habe.
Mein Name ist Richard Kreutzner, mein Beruf Bibliothekar, auch wenn ich diesen noch nicht praktisch ausüben konnte. In Freiberg, gelegen in der Markgrafschaft Meißen, wurde ich vor zweiundzwanzig Jahren geboren. In London wurde ich vor acht Monaten wegen Piraterie zum Tode verurteilt. Allerdings hatte man mir Begnadigung in Aussicht gestellt, wenn ich der Royal Society ein gewisses Artefaktum beschaffe. Es befand sich auf der Insel Arcadia im Indischen Ozean. Sahir und ich hatten es dort an einer geheimen Stelle vergraben, damit es nicht in falsche Hände falle. Doch kurz danach wurde ich von Piraten von der Insel verschleppt. Meine Frau Sahir blieb allein zurück, schwanger mit unserem Kind.
Immerhin weiß ich nun, dass sie noch lebt. Wir fanden auf Arcadia viele Spuren von ihr, Feuerstellen, einen Fischspeer, einen Unterstand aus Treibholz, auch kleine Fuß- und Handabdrücke von einem Kind. Beide waren verschwunden, ebenso das Artefaktum. Aber Mukhlis Khan, Sahirs Vater und Wesir des Großmoguls Aurang-Zeb, brachte in Erfahrung, dass sie sich angeblich hier auf Sansibar befand. Darum lagen wir nun im Hafen von Madinat vor Anker. Der Wesir hatte unser Vorhaben mit einem Boten angekündigt. Und ich zitterte vor Erwartung, nach drei Jahren Sahir endlich wieder in den Armen zu halten. Vielleicht noch heute, vielleicht in wenigen Stunden.
„Die Verhandlung mit dem Emir führe ich allein“, hatte der Wesir mir eingeschärft. „Ihr dürft ihr beiwohnen, aber sagt kein Wort.“
Direkt neben unserem Schiff hatte ein omanisches Kriegsschiff geankert, die Saqr Quraysh, eine riesige Dhau mit drei Masten und zwölf Kanonen an jeder Seite des Decks. Madinat war ein Flottenstützpunkt. Vom Hafen aus wirkte sie wie eine arabische Märchenstadt. Die Kuppeln der Moscheen, Minarette und Paläste funkelten wie Gold in der Sonne. Die See schimmerte wie Saphir, darüber leuchteten die lohfarbenen Dreiecksegel von Schiffen aller Größen.
Doch schon als wir uns mit dem Beiboot der Hafenmole näherten, wehte uns ein Pesthauch an, ein Brodem von fauligem Fleisch, verrottenden Früchten, von menschlichen und tierischen Exkrementen. Wir traten an Land und hielten uns die Ärmel vor Mund und Nase. In den engen Gassen häuften sich Unrat und Tierkadaver. Alles, was ich über Sansibar gehört und gelesen hatte, fand ich nun aufs Schlechteste bestätigt. Das Inselvolk lebt im Elend. Die Araber, die neuen Herren, halten sie als Diener oder Konkubinen oder schinden sie auf den Nelkenplantagen.
Der Palast des Musa bin Bil’arab, des Emirs von Sansibar, lag abseits von den Ausdünstungen der Stadt in einem Hain aus Mangobäumen. Wir ließen uns vom Hafen aus in Sänften hintragen. Der Emir war zugleich der größte Sklavenhändler dieser Region, wenn nicht des ganzen Erdkreises. Auf Sansibar kostet ein schwarzer Sklave vier Dirham. In Indien bezahlt man bis zu zwanzig Dirham, ganz zu schweigen von London oder New York, wo ein gesunder Arbeiter nicht unter fünf Pfund zu haben ist.
Da ein Teil des Palastes noch unfertig war, wurden wir für die Verhandlung zu einem Zelt geleitet. Dieses war prächtig genug, mit Wänden aus gelber Seide, darauf genäht das Emblem des Emirs, eine purpurne Raute ohne weitere Zeichen oder Symbole. Das Innere war mit Teppichen und mit seidenen Vorhängen ausgestattet, die die Hitze des Morgens zurückhielten. Wir nahmen auf Kissen Platz. Diener brachten Tabletts mit Stutenmilch und gesüßtem indischen Tee. Ein schwarzer Knabe bewegte über einen Hebel einen großen Fächer, der uns Luft zuwedelte.
Ich verstand Arabisch gut genug, um dem Gespräch folgen zu können. Auf Arcadia hatte Sahir mir Worte und Schrift beigebracht, damit ich den Koran im Original lesen konnte. Außer mir begleiteten den Wesir vier seiner älteren Söhne. Diese hatten nur die Aufgabe, streng zu blicken, die Stirn zu runzeln, sich zuweilen über den Bart zu streichen und damit unserem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen. Nach dem Austausch der Begrüßungsreden kam der Wesir ohne weitere Umschweife zur Sache.
„Shaikh Musa, wir möchten vierzig Sklaven von Euch erwerben.“
Der Emir hockte in der Mitte des Zeltes auf einem niedrigen Schemel. Er war breitschultrig und muskulös, man sah ihm an, dass er lieber auf dem Rücken eines Pferdes saß als in einem Zelt. Unter seinem Umhang trug er einen ledernen Brustharnisch. An seiner Seite thronte sein Sohn, Prinz Tafiq, auf einem Kissenstapel. Der Prinz war kostbarer gekleidet als sein Vater, hatte aber ein aufgedunsenes Gesicht mit einem dünnen Schnurrbart, der einem Schmutzstreifen auf der Oberlippe glich. Seine Augen waren mit Kajal umrandet. Beide trugen riesige weiße Turbane.
Der Emir runzelte die Stirn ob der Geringfügigkeit unseres Anliegens und hob bedauernd die Hände. „Leider ist dies ein ungünstiger Zeitpunkt, Exzellenz. Die Karawanen mit neuer Ware treffen erst im nächsten Monat ein. Zur Zeit kostet ein Schwarzer bester Qualität zehn Dirham.“
Ich wusste inzwischen, dass dies der übliche Beginn einer langen und blumigen Verhandlung war. Am Ende würde man sich dann auf den regulären Preis von vier Dirham einigen. Doch Mukhlis Khan sagte:
„Eure Großzügigkeit wird überall gepriesen, Shaikh Musa, und wie ich sehe, nicht zu Unrecht. Doch ich will sie nicht ausnutzen. Ich biete Euch zwanzig Dirham für jeden hochwertigen Sklaven. Dies ist der Preis, der auch in meinem Land üblich ist.“
Der Emir und sein Sohn blickten sich an.
„Das sind zusammen achthundert Dirham“, fuhr Mukhlis Khan fort. „Und um Euch meine Wertschätzung zu erweisen, will ich die Summe auf tausend Dirham aufrunden.“
Der Emir räusperte sich und fand die Sprache wieder. „Ich sehe, Exzellenz, Ihr seid ein Mann, der gute Handelsbeziehungen schätzt und zu vertiefen weiß.“
Der Wesir lächelte. „Allerdings muss ich auf einer Bedingung bestehen. Ich will die zehn Männer, zehn Frauen, zehn Knaben und zehn Mädchen aus Eurem eigenen Haushalt erwerben. Denn so bin ich sicher, nur die beste Ware zu erhalten. Sie sind bestimmt für meinen Herrn Aurang-Zeb, den Großmogul von Indien und Dekkan. Ich will sie selbst aussuchen. Zeigt mir alle Sklaven Eures Hauses, vom obersten Eunuchen bis zum kleinsten Säugling, und lasst mich die Wahl treffen.“
„Das ist eine höchst ungewöhnliche Bedingung.“
„Soll diese Wahl“, fragte Prinz Tafiq, „etwa auch den Harem einschließen?“
„Das versteht sich, Hoheit, denn dort vermute ich die schönsten Frauen.“
Der Emir beugte sich zu seinem Sohn hinüber, und sie tuschelten miteinander. „Ich frage mich, Euer Exzellenz“, sagte er dann, „ob Ihr vielleicht vor allem an einer bestimmten Sklavin interessiert seid.“
„Was bringt Euch auf diesen Gedanken?“
„Vor einiger Zeit erwarb ich Ware aus einer Korsarenbeute. Darunter befand sich eine junge Frau indischen Geblüts mit ihrem kleinen Sohn.“
Der Wesir schwieg.
„Sie war verwildert, als hätte sie lange in der Einöde gelebt. Doch ich erkannte sogleich ihre Bildung und Schönheit. Ich ließ sie baden und einkleiden. Ihr Sohn hatte auffällig helle Haut. Ich habe ihn meinem Onkel Saif bin Sultan, dem Herrscher von Oman, für seine Mamluken zum Geschenk gemacht. Die Frau gab ich meinem Sohn zum Weibe, denn er hatte sie auf dem Markt ausgewählt.“
„Tatsächlich habe ich Gefallen an ihr gefunden“, sagte Prinz Tafiq. „Unter all meinen Frauen reite ich sie noch immer fast jede Nacht.“
Die Tasse zerbrach in meiner Hand. Ich murmelte eine Entschuldigung. Ein Diener brachte neuen Tee. Mukhlis Khan schwieg.
„Am Anfang hat sie sich ein wenig gesträubt“, sagte Prinz Tafiq, wobei er mich aufmerksam anblickte. Ich sagte nichts.
„Ich musste sie erst zureiten“, sagte der Prinz. „Mit Sporen und Zaumzeug, wenn Ihr versteht. Aber jetzt ist sie ein williges Pferdchen.“ Er lächelte dabei und starrte mir unverwandt ins Gesicht. Ich hatte mich gut in der Gewalt.
„Ja“, sagte Mukhlis Khan, „es ist wahr, diese Frau wünsche ich vor allem zu erwerben, denn sie ist eine meiner Töchter. Sie strandete auf einer einsamen Insel und wurde dort unlängst von Korsaren verschleppt. Ich biete Euch tausend Dirham für sie.“
„Woher wusstet Ihr, dass sie in unserem Besitz ist?“
„Ich habe es zufällig erfahren.“
Das war natürlich gelogen. Der Wesir befehligte das Munihyan, das indische Ministerium für geheime Dienste. All seine Söhne und Töchter waren seine Agenten, zudem besaß er Kundschafter und Spione in allen Häfen des Indischen Ozeans. Ständig empfing er ihre Nachrichten, die sie abgerichteten Tauben ans Bein banden.
„Nun, Exzellenz, ich würde Euch die Sklavin gewiss gern verkaufen, zumal sie Eure Tochter ist, wie Ihr sagt. Über den Preis können wir reden. Aber dies ist nun die Entscheidung meines Sohnes.“
„Hunderttausend Dirham“, sagte der Prinz.
Es herrschte allgemeines Schweigen.
„Ich sagte doch, ich habe Gefallen an ihr gefunden. Hunderttausend für das Weib. Ein Lakh in Eurer Zählweise.“
„Ihr beliebt zu scherzen, Hoheit. Für ein Lakh Dirham könntet Ihr Euch ein Dutzend der schönsten Frauen für jede einzelne Nacht Eures Lebens kaufen.“
„Ich scherze nicht.“
„Zweitausend.“
„Wollt Ihr mich beleidigen, Wesir? Ihr kennt den Preis.“
„Ihr wisst, dass niemand ein Lakh Dirham besitzt.“
„Euer Herr Aurang-Zeb verfügt bekanntermaßen über die größten Reichtümer des Erdkreises.“
„Über die verfügt er gewiss, aber ich verfüge nicht darüber.“
„Sie ist Muslima. Der Koran verbietet es, Muslime zu versklaven“, sagte ich. Alle starrten mich an.
„Was tut ein ungläubiger Hund in Eurem Gefolge, Wesir?“, fragte der Prinz.
Ich bemerkte durchaus den warnenden Blick, den der Wesir mir zuwarf. Doch ich konnte nicht an mich halten. „Ich bin gläubiger Muslim, anders als Ihr, Hoheit. Denn da Ihr gegen den Koran und Gottes Gesetz verstoßt, ist Euch nun die Hölle sicher.“
Der Prinz fasste an seinen Gürtel. Doch darin steckte kein Dolch. In arabischen Ländern werden Verhandlungen stets unbewaffnet geführt, damit es im Eifer des Feilschens nicht zu Verletzungen kommt.
„Dort in der Tiefe“, fuhr ich fort, „werden Eure Füße in heißem Öl gesotten, während Feuerameisen Euer Gemächt abfressen. Nicht dass ich glaube, dass es da viel zu fressen gibt.“
Der Prinz wollte aufspringen, doch der Emir hielt ihn am Oberarm fest und sagte zu dem Wesir: „Ihr beleidigt uns und werft uns vor, den Koran nicht zu achten? Wäret Ihr nicht Gäste, ließe ich Euch auf der Stelle erdrosseln. Und ich werde es tun, falls Ihr nach Sonnenuntergang noch auf dieser Insel verweilt. Die Verhandlung ist beendet.“
« Letzte Änderung: 12 September 2024, 16:02:24 von jcl »

jcl

  • Gast
Re: Utopia - Anfang
« Antwort #1 am: 12 September 2024, 16:08:19 »
Falls es hilfreich ist - hier noch einige Porträts der Hauptcharaktere: https://books.lotter.org/dramatis-personae/ 

merin

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #2 am: 14 September 2024, 12:00:29 »
Hi jcl,

den ersten Teil dieses Textes habe ich gern gelesen. Er liest sich flüssig weg, die Gefahr ist gut spürbar, die Figuren sind plastisch. Das Setting an sich ist ziemlich klischeehaft, da war ich skeptisch, aber mich hat das trotzdem überzeugt. Ich finde, die Landschaft könnte noch etwas besser beschrieben sein, ansonsten hab ich aber wenig zu meckern.

Nach dem Zeitsprung dagegen habe ich mich gelangweilt und bin schließlich ausgestiegen. Meines Erachtens liegt das daran, dass du nicht szenisch bleibst. Wir bekommen eine kleine Szene, aber dann erstmal jede Menge Infodump, Namen und was vorher geschah usw. Mein Gefühl ist, du versuchst, eine Zusammenfassung von Teil 1 hier hineinzuquetschen, vielleicht auch nur den gesamten Hintergrund, der bislang nirgendwo stand. Ich denke, es ist zu viel des Guten und zu solltest vielleicht überlegen, was wirklich an dieser Stelle gebraucht wird. Gerade die Sache mit den Spuren von Frau und Kind würde ich an anderer Stelle in einer szenischen Rückblende unterbringen. Dann hast du auch Raum für die Gefühle des Protas zum Ganzen, die hier doch arg kurz kommen.

Soweit erstmal

Beste Grüße

merin
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Paul

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #3 am: 15 September 2024, 18:34:21 »
Hallo JCL

Es ist eine spannende Geschichte, die du da entfaltest. Trotzdem bleibt bei mir am Ende ein schaler Nachgeschmack zurück:

Der erste Teil gefällt mir sehr gut. Die Szene ist lebendig beschrieben, die Geldübergabe hat einen runden Spannungsbogen und eine überzeugende Auflösung. Hier stimmt meiner Meinung nach so gut wie alles.

Die zweite Szene fällt dagegen ab. Da ist so mancher Info-dump darin versteckt. Aber das ist noch nicht alles. Irgendwie müsste m.E. dein Prota Max an dieser Stelle mehr in Erscheinung treten. Was treibt ihn an? Was hofft er? Was befürchtet er? Du deutest das eine oder andere an, aber er bleibt für mich immer eine Spur zu blass.
 Von daher würde ich einen Teil des Info-Dumps herausnehmen und dafür mehr von Max erzählen. Von seiner Not, ein Praktikum zu finden, von dem Angebot, der Afrikareise, die ihn reizt, weil er noch nie in Afrika war und er sich eine solche Reise auch nie leisten könnte, von den Zweifeln der andere Professoren, die ihm von der Reise abraten, von der Zusage, dass er das Praktikum auch dann anerkannt bekommt, wenn er selbst nicht gräbt,...
 Ich glaube, so könnte der zweite Teil noch eine Spur lebendiger werden und zum ersten Teil aufschließen.

Ein Grundproblem bleibt aber, das du dabei klären solltest. Was bringt einen jungen Mann dazu in eine lebensgefährliche Gegend zu reisen, wenn er nicht an die Mission glaubt und auch dem Professor nicht über den Weg traut? Spannend wäre es, wenn du es in der Szene "erzählst". Angefangen von den Zusagen, die er vor seiner Abreise bekommen hat ("Alles ist völlig ungefährlich") bis zu seinem Erwachen, als sie von dem geplanten Ziel abweichen und sich auf einmal in Richtung der Grenzregion auf den Weg machen.

Der dritte Teil (Rückblick): Ich weiß nicht, woran es liegt, aber die Sprache und die Lebendigkeit der Schilderung nimmt m.E. in diesem Teil noch einmal ab. Spannend wurde es für mich erst wieder, als es zu der Verhandlung über die Sklaven kam. Umgekehrt hat mich die Art der Verhandlungsführung aber in keiner Weise überzeugt. Wenn es darum geht, stundenlang zu verhandeln, weil in den Verhandlungen selbst eine Art von Wertschätzung liegt, die weit über den erzielten Preis hinausreicht, ist es schlicht unhöflich, gleich am Anfang den Preis in dieser Weise nach oben zu heben. Dazu ist es plump und verdirbt alle weiteren Verhandlungen. Wer würde so etwas machen? Klar, da gibt es die Hoffnung, dass der Verhandlungspartner gierig wird, und sich darauf einlässt, auch seine eigenen Sklaven mit zum Verkauf anzubieten, aber wahrscheinlicher ist der Ausgang, der von dir geschildert wird: die Gier nimmt überhand und am Ende lässt die Missachtung am Anfang jeden Kompromiss scheitern.
 Mich hat die Szene deshalb nicht überzeugt. Es fehlte mir die Raffinesse. Letztlich auch die Spannungskurve. Das sich langsame Herantasten an das eigentliche Ziel....

Fazit: Du hast m.E. einen starken Beginn, der aber im Verlauf der Geschichte deutlich nachlässt.

PS: Eine sprachliche Anmerkung: Du arbeitest immer wieder mit "Doch-Sätzen". Wie z.B. hier am Ende:

Zitat
Doch ich konnte nicht an mich halten

Ich hatte in meinen früheren Texten viele solcher "Dochs" und versuche seitdem, sie mir abzugewöhnen. Wenn möglich, ersetze ich sie durch ein "aber" oder ich versuche ganz ohne doch und aber auszukommen. Wo es nicht anders geht, sagt mir mein Sprachgefühl jedoch:

- Bei "Doch" das Verb vorziehen
- Bei "Aber" das Verb nach hinten legen

z.B: Doch konnte ich nicht an mich halten.  versus: Aber ich konnte nicht an mich halten.

Ich weiß nicht, ob das eine offizielle Regel ist oder ob das nur eine Marotte meines Sprachgefühls ist. Auf jeden Fall bin ich bei dir über jeden "Doch"-Satz gestolpert, weil mir das Verb hinter dem doch gefehlt hat.

Paul  ;)
"Es ist besser, einige der Fragen zu kennen, als alle Antworten." (James Thurber)

jcl

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #4 am: 16 September 2024, 11:21:46 »
Danke für das Feedback! Das ist sehr hilfreich. @merin: Ja, der Infodump im historischen Teil ist offenbar zu viel des Guten. Die erste Hälfte mit Richards Werdegang braucht es eigentlich gar nicht, die zweite mit der Insel könnte ich später unterbringen und irgendwo einflechten. @Paul: Max' Motivation hatte ich in einem späteren Abschnitt untergebracht, allerdings nicht so ausführlich wie von dir vorgeschlagen. Ich könnte einiges davon vorziehen. Die Verhandlung will ich so belassen, aber ich kann deinen Einwand gegen des Wesirs Verstoß gegen die Etikette nachvollziehen. Da sollte ich mehr verdeutlichen, wie schockierend das wirkt. Ich habe mehr 'Doch' als 'Aber' verwendet, weil es nur eine Silbe hat und in historischen Texten häufiger vorkommt. Für mein Sprachgefühl ist das Vorziehen des Verbs nicht nötig, aber es ist ein guter Hinweis, dass ich mich da vielleicht irre. Ich muss mal nachsehen, was in Texten eher üblich ist. Das Sprachgefühl entwickelt sich ja aus dem, was man liest.

Paul

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #5 am: 16 September 2024, 23:12:22 »
Hi JCL

Zitat
@Paul: Max' Motivation hatte ich in einem späteren Abschnitt untergebracht, allerdings nicht so ausführlich wie von dir vorgeschlagen. Ich könnte einiges davon vorziehen.

Vielleicht braucht es an dieser Stelle gar keinen Rückblick, mit den entsprechenden Selbstzweifeln, in denen sich der Prota fragt: Was mache ich hier überhaupt? - was es aber auf jeden Fall braucht, ist sein Erschrecken, ja vielleicht sogar sein Entsetzen, als er merkt, wohin die Reise geht und wie sie sich entwickelt.
 Dann könnte ich wieder mit ihm fühlen - und ihn als Person ernst nehmen - in der jetztigen Form wirkt er auf mich dagegen als Person nicht "echt".

Paul  8)
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jcl

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #6 am: 17 September 2024, 09:23:09 »
Wovor, meinst du, würde er hier erschrecken - und warum? Für ein Erschrecken wäre es jetzt ja reichlich spät. Abgesehen von seinem Motiv für die Reise - er braucht sie für seinen Abschluss - was genau fehlt ihm hier?
« Letzte Änderung: 17 September 2024, 09:47:27 von jcl »

Paul

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #7 am: 17 September 2024, 12:56:25 »
Um die Frage zu beantworten, kenne ich den Charakter deines Protas und seine Vorgeschichte zu wenig.

Aber was mich umtreibt ist die Frage: Warum macht er das? Warum lässt er sich auf ein solches Abenteuer ein?

- Ist er vor Gier blind und folgt ohne Nachzudenken seinem Professor? Nein, so hast du ihn nicht angelegt. Er hat eine kritische Distanz.
- Ist er so naiv, dass er gar nicht merkt, in welche Gefahr er sich begibt? Nein, so einfältig hast du den Charakter auch nicht angelegt.
- Ist er so bedürftig, dass er nicht anders kann? Eine gewisse Bedürftigkeit scheint mir vorzuliegen - er braucht das Praktikum - aber sie ist doch niemals so groß, dass er deswegen sein Leben aufs Spiel setzen würde?
- Ist er ein Draufgänger, ein Adrealin-Junkee, der die Gefahr sucht? Nein, auch das ist er nicht.
- Ist sein Prof so schlau, dass er ihn bis jetzt über die wahren Gefahren der Reise getäuscht hat? Das kommt mir so vor, aber diese Täuschung kann nicht ewig funktionieren.

Fazit: Er muss in dem Moment, in dem er merkt, dass diese Reise gefährlich wird, reagieren. Das kann z.B. der Moment sein, als sie die Grenze überqueren und der Soldat sagt, dass hinter der Grenze niemand mehr für ihre Sicherheit garantieren kann. Da muss ihm spätestens klar werden, dass hier etwas nicht stimmt.

Ich könnte mir Folgendes vorstellen:

 - hier müsste er erschrecken
 - er müsste sich fragen, was er tun soll
 - und er müsste, m.E., den Prof zur Rede stellen.

Einen ausführlichen Rückblick, in dem seine Geschichte erzählt wird, ist - wie gesagt - nicht unbedingt nötig. Was es aber meiner Meinung nach braucht, ist eine andere Reaktion deines Protas. So, wie er jetzt alles über sich ergehen lässt, verliert er für mich seine Glaubwürdigkeit.

Paul  ;)
« Letzte Änderung: 17 September 2024, 12:59:28 von Paul »
"Es ist besser, einige der Fragen zu kennen, als alle Antworten." (James Thurber)

jcl

  • Gast
Re: Utopia - Anfang
« Antwort #8 am: 17 September 2024, 13:17:25 »
Wenn du als Leser Max nicht glaubwürdig findest, dann ist das so - da muss ich als Autor nachbessern. Ich versuche nur zu fassen zu kriegen, was genau hier fehlt. Denn im Text sehe ich es nicht unmittelbar. Dass die Reise in den Kongo geht und in ein von der Regierung nicht kontrolliertes Gebiet, wusste Max sicher vorher. Der Verlauf der Reise wird ihn kaum plötzlich überraschen.

Als Autor kenne ich Vorgeschichte und Charakter der Protas. Ich weiß daher immer, wie sie in bestimmten Situationen reagieren. Aber der Leser weiß es nicht. Das muss man ihm rüberbringen. Sonst wirkt das Verhalten, wie hier, nicht schlüssig. Ich nehme hier mit, dass dir Max nicht ängstlich genug rüberkommt. Da werde ich noch eine Reflektion oder dergleichen einbauen. Das hat mir schon weitergeholfen.

merin

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #9 am: 19 September 2024, 13:45:15 »
Mir geht es ähnlich wie Paul: Ich frage mich, wer für ein Praktikum in den Kongo reisen würde. Da reicht Angst nicht, denn jede europäisch sozialisierte Person hätte wohl mehr Angst, in ein Kriegsgebiet zu reisen, als davor, ein Studium nicht fertig zu kriegen. Insofern ist seine Reaktion momentan irgendwie indifferent. Er hat Angst ja, aber er geht trotzdem weiter. Nur wieso? Ich denke, mir fehlt vor allem sein Motiv, denn die Sache mit dem Praktikum ist mir zu wenig.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

Paul

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #10 am: 19 September 2024, 14:47:04 »
Yepp. Genau meine Rede. Im Moment hat der Charakter an dieser Stelle eine Leerstelle. Das führt dazu, dass ich mich als Leser aus der Geschichte verabschiede, weil ich dem Hauptcharakter emotional nicht mehr folgen kann.

Von daher geht es an dieser Stelle nicht nur um eine Schönheitskorrektur, was z.b. die Sprache,... angeht. Es geht darum, dass Du als Autor seine Motivation klärst und anschließend den Charakter anhand seiner Motivation überzeugend handeln und auftreten lässt.

Paul  ;)

"Es ist besser, einige der Fragen zu kennen, als alle Antworten." (James Thurber)

jcl

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #11 am: 19 September 2024, 15:09:57 »
Das sind interessante Einwände, denn sie berühren das Wesen einer Geschichte.

Natürlich würde es nie von irgendeiner realen Uni unter eine solche archäologische Exkursion geben. Und kein Student oder Praktikant würde sich je auf solche Bedingungen einlassen. Das, nehme ich an, ist dem einigermaßen informierten Leser sowieso klar. Max' Motivation ist die gleiche wie im Horrorfilm die Motivation der Heldin, den ominösen Geräuschen auf dem Dachboden nachzugehen. Sie muss nicht weiter begründet werden, denn sie gehört zur Prämisse. Das hier ist ein historischer Abenteuerroman, im Stil von Indiana Jones. Die einzelnen Szenen sollen real wirken, die Prämisse muss es nicht.

Soweit zumindest meine Theorie. Aber darüber können wir gern diskutieren.



merin

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #12 am: 19 September 2024, 15:22:43 »
Indiana Jones hat immer ein Motiv, denke ich: Neugier und Entdeckungsgeist. Er ist so ein Draufgängertyp, der einfach keinen Stein liegen lassen kann, ohne zu schauen, was drunter ist. Ebenso wie Lara Croft. Beide wollen auch noch berühmt werden. Die Behauptung, die Motivation gehöre zur Prämisse und müsse daher nicht ausgearbeitet werden, halte ich für nicht haltbar. ( :devgrin: Das kalauert.) Beide sind auch quasi unverwundbar, sie können es sich also leisten, allem nachzugehen.

Das Problem zeigt sich ja auch direkt im Text, wo bislang zwei von zwei Lesenden an der Stelle aussteigen. Besser wäre natürlich, wir hätten mehr als zwei Testsubjekte, das ist jetzt nicht gerade eine statistisch relevante Größe. Aber ein Anhaltspunkt ist es schon. Zumal ich mich frage, wie du ohne ein Ziel oder Motiv eine Figur charakterisieren kannst.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

jcl

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #13 am: 19 September 2024, 15:46:51 »
Nun gut. Ich will mir definitiv keine komplexen Gründe für Max ausdenken, sich trotz seiner Ängstlichkeit auf ein solches Praktikum zu bewerben. Aber natürlich sind zwei Leser, denen hier was fehlt, zwei zuviel. Daher werde ich sicher euren Einwänden folgen und noch irgendwas einbauen, um das Problem zu entschärfen.

Lartaigh

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #14 am: 07 November 2024, 20:35:32 »
Hallo Jcl,

da das hier meine erste Röstung ist und ich bin noch als ziemlich grün hinter den Ohren bezeichnen würde, siehe meinen Kommentar und meine Gedanken eher aus der Pespektive eines Lesers - das tue ich nämlich viel wenn auch in einer ganz anderen Ecke (New-Adult/Romantasy). Ich kommentiere außerdem, ohne die anderen Röstungen gelesen zu haben, weil ich denke so klappt es vielleicht freier.

Ich gebe meinen Senf einfach einmal beim Lesen dazu, weil ich es anders noch nicht recht sortiert bekomme:

Zitat
Ein Windstoß blies Staub über die Piste. Er trug den Geruch von feuchtem Gras und Exkrementen mit sich.
Die Bilder von Staub und feuchtem Gras passen für mich so nicht zusammen, ich kann mir nicht direkt eine Umgebung vorstellen. Ist es trocken oder hat es geregnet?

Zitat
Vor einer Baracke des Checkpoints war ein Zwergschimpanse an einer Kette angebunden. Soldaten standen um das Tier herum, lachten und hielten ihm Bierdosen hin, um es betrunken zu machen.
Der Schimpanse löst Emotionen in mir aus, Mitgefühl und gibt dem Bild Tiefe.

Zitat
„Was wollen Sie in unserem Land?“
Das kommt für mich irgendwie abrupt in der Unterhaltung.
Außerdem, da ich bereits ein paar Wochen Praktikum in Tansania und Kenia nach der Schule hinter mir habe, kommt mir die Art der Interaktion eher unrealistisch vor. Nun ist Kongo natürlich ein komplett anderes Land mit anderen Umständen und einer anderen Kultur, aber ich wäre wenn eher von einer unterschwellig skeptischen Zurückhaltung ausgegangen, missbilligenden Blicken, oder Ablehnung durch Ausspielung von Macht/Verweigerung von Vorteilen aber weniger in so einem direkten und schnellen 'Angriff'.
Außerdem: Handelt es sich hier um eine Landesgrenze oder eine Gebietsgrenze, die die Professorin überqueren will?

Zitat
Er wusste, er konnte jetzt einfach die nächsten Tage im Wagen sitzen und die Rückkehr der Professorin abwarten.
Hier wird Neugier als Motiv rausgestellt, ich fände das aber im Kongo im 'Banditengebiet' auch ziemlich riskant dort einfach alleine sitzen zu bleiben und zu warten...

Zitat
Es war vollkommen still, als hätte ihr Eindringen die Natur zum Schweigen gebracht.
Schöner Satz!

Zitat
II  Madinat Zanjibar, 3. Januar 1702
Hier verstehe ich direkt, dass es sich nun um die Perspektive des vorher ominös umrissenen Priesters handelt, was ihn für mich direkt interessanter macht. Vorher haben mich die Infos eher rausgekickt, Ärchelogie ist aber auch kein Interessengebiet von mir.

Zitat
Mein Name ist Richard Kreutzner, mein Beruf Bibliothekar, auch wenn ich diesen noch nicht praktisch ausüben konnte.
Okay, dann handelt es sich hier wohl doch nicht um den Priester Johannes und ich muss mein Lob von eben ein bisschen zurück nehmen. Schlussendlich passt die Jahreszahl auch nicht zum Priester, da Richard Kreutzner für mich als Erstleser aber ein Fremder ist, kommt der Bruch irgendwie abrupt und ich verliere etwas die Lust über ihn zu lesen.
Im Anschluss bin ich dann mehrfach aus dem Text rausgeflogen, vielleicht weil sich viele Informationen aneinander reihen? Es fallen viele Namen, Orte und Gegebenheiten, die es mir ein bisschen schwer machen den Überblick zu behalten.


Zusammenfassend was mich rausgeworfen hat:
- Mir kamen die Interaktionen/Gespräche im ersten Teil teilweise nicht realistisch/umgangsprachlich genug vor. Ich habe etwas wie Slang oder Umgangssprache vermisst. Außerdem hätte ich es interessant gefunden, um was für eine Art bewaffnete Gruppierung es sich bei den 'Banditen' handelt? 'Einfache Verbrecher'? Milizen? Terrorgruppe? Das könnte man vielleicht der aktuellen Lage im Land anpassen?
- Da sexualisierte Gewalt leider im Kongo ein Thema ist, habe ich mich auch gefragt, ob eine weiße, unbewaffnete Frau alleine (bzw. nur mit einem Praktikanten als Begleitschutz) unterwegs wäre, oder ob Wissenschaftler sich nicht immer durch Einheimische begleiten lassen würden? In der Regel würde denke ich die beheimatete Uni auch involviert sein. 
ABER da gehe ich vielleicht auch zu viel ins Detail und ich habe zu der Materie natürlich auch nicht recherchiert. Das sind nur meine Gedanken aus der Erfahrung und meinem Bild von Afrika (und ich habe nur wohlhabende Länder wie Namibia, Tansania und Kenia besucht).
- Im zweiten Teil haben mich die vielen Infos rausgekickt. Also da vielleicht schauen, ob weniger Information ausreichend wäre, oder ob sie in einer Unterhaltung untergebracht werden können?

Was ich gut fand:
- Ich lieb's, dass Professor Lind eine Frau ist und, dass sie so einen Abenteuersinn hat, auch wenn das eigentlich zu heutigen Zeiten kein Grund zur besonderen Freude mehr sein sollte :-)
- Generell mag ich auch das Setting und die Szene mit dem Schimpansen finde ich ein gutes Beispiel für 'show don't tell' um die vorherrschende Atmosphäre zu zeigen 
- Die vielen eingewobenen Details geben einem das Gefühl in eine reale/durchdachte Welt einzutauchen

Ich hoffe mein erster Röst (kann man das so sagen? :D) ist zumindest in Teilen hilfreich. Das ist natürlich erstmal nur meine subjektive Meinung alles :-)

Liebe Grüße,
Larthaigh





jcl

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #15 am: 08 November 2024, 11:10:45 »
Danke für die Röstung! Ja, das war definitiv hilfreich und ich kann damit einiges anfangen. Der Dialog am Anfang wird auf Französisch geführt. Da das für keinen der Beteiligten die Muttersprache ist, würde ich dort keinen Slang erwarten. Mit den Banditen ist gemeint, dass die Regierung keine Kontrolle über dieses Gebiet hat. Es ist also tatsächlich eine Art Grenze mit einem Checkpoint. Die Reaktion auf den Geldschein im Pass und die aggressive Frage "Was wollen Sie in unserem Land?" sind übrigens echt - man hat ja beim Schreiben immer auch eigene Erlebnisse im Hinterkopf.

Wegen meiner Deadline muss ich bei der Überarbeitung etwas hastig vorgehen. Falls es jemanden interessiert, welche Auswirkung eine Röstung hier auf einen Text hat: die 'vorläufig finale' Version kann man hier einsehen: https://books.lotter.org/utopiaprobe.pdf. Viele der von dir und anderen erwähnten Mängel wurden darin berücksichtigt. Triggerwarnung: Anders als im Text hier, den ich speziell für dieses Forum zensiert habe, kommt im Original das N-Wort vor.


Lana

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #16 am: 15 January 2025, 11:48:53 »
Alles, was mir aufgefallen ist, habe ich aufgeschrieben. Ich habe auch die anderen Kommentare nicht durchgelesen, weil ich gemerkt habe, dass es mich in meiner Meinung und Sichtweise sonst zu sehr beeinflusst.

--> „Können Sie beweisen, dass der Geldschein Ihnen gehört?“
„Ich fürchte nein, Monsieur.“
„Dann ist er eine Fundsache. Wir werden ihn verwahren, bis der Eigentümer feststeht. Haben Sie Einwände?“
Professor Lind lächelte. „Sie tun nur Ihre Pflicht.“
 
Ich weiß, dass sollte nicht korrigiert werden, aber ich finde das so flüssig und spannend geschrieben, dass wollte ich nicht unerwähnt lassen

-Also allgemein sind die Dialoge im ersten Kapitel sind sehr flüssig geschrieben und auch das die Personen ständig im Konflikt sind, macht es spannend. Man hat das Gefühl, die Figuren stehen vor einem.

--> Der Landrover hatte kein Radio, aber Professor Lind ließ den Arm aus dem Fenster baumeln,

Da war ich kurz huch, was hat das nicht vorhandene Radio mit dem Arm aus dem Fenster zu tun.
Vielleicht eine logische Verknüpfung bauen: Der Landrover hatte kein Radio, deshalb sang der Professor aus voller Kehle. Dabei steuert er einhändig, weil er den Arm aus dem Fenster baumeln ließ. ( Das ist jetzt nicht schön geschrieben, aber ich glaube, du weißt worauf ich hinaus will)

--> Mit dieser Theorie stand sie ziemlich allein da. Der Anlass für ihre Exkursion war das kürzlich entdeckte Kreutzner-Fragment. Aus den verstümmelten Seiten ergab sich nach Linds Ansicht ein authentischer Reisebericht aus dem Inneren Afrikas im frühen 18. Jahrhundert. Das allein wäre eine Sensation, auch ohne Hinweise auf den legendären Priester. Landläufig galten Burton und Speke als die ersten Europäer, die in diese Gegenden vorgedrungen waren.

Das fand ich toll, wie du HIntergrundinformationen eingebaut hast. Sie sind nicht zu lang und schließen sich flüssig in den Text ein.

--> Der Himmel hatte sich inzwischen bezogen. Die Sonne war jetzt ein gleißender Fleck hinter einer Dunstkuppel, doch die Hitze ließ nicht nach. „Wir bekommen Regen“, sagte Lind. Es ging stetig bergauf, durch eine karge Landschaft von Felsbuckeln, Tamariskensträuchern und gelbem Gras. 

Tolle bildliche Beschreibung


-Eine Zwischenfrage: Die Fahrt wirkt so, als würde der Professor sie jeden Tag fahren und das seit Jahren. Doch die Begegnung mit dem, ich nenne ihn mal Wachmeister, wirkte als hätten sie sich erst einmal gesehen. Das ist für mich ein Widerspruch


-->„So still, Max?“, fragte Lind. „Denken Sie schon an Ihren künftigen Ruhm?“

Schöner Übergang von der Beschreibung der Umgebung, die Max beobachtet hat und das die Professorin ihn wieder zurückholt

--> Heute sprach der Erzengel Gabriel wieder zu mir. Vom Achterdeck der Hakim Ki Izzat aus beobachtete ich das Treiben im Hafen, da vernahm ich seine Stimme deutlich in meinem Kopf.

Da hat mich die Reihenfolge rausgekickt. Für mich wäre sinnvoller: Vom Achterdeck der Hakim Ki Izzat aus beobachtete ich das Treiben im Hafen, da vernahm ich seine Stimme deutlich in meinem Kopf. Heute sprach der Erzengel Gabriel wieder zu mir.

--> Es konnte nur der Erzengel sein.
Du hast schon geschrieben, dass es der Erzengel ist, sonst wieder die Reihenfolge ändern. Zuest die Zweifel, dann die Feststellung. Wäre für mich als Leser logischer.

--> Früher redete Gott mit mir, doch er hatte mich seit meiner Konversion zum Islam verlassen. Aber Engel, wie auch Dämonen, wandern zwischen allen Religionen herum.

Das hat mich verwirrt und rausgekickt, weil ich gerne im hier und jetzt als Leser bleiben möchte, das mit der Stimme hört sich schon spannend genug an. Ich will mehr darüber wissen!

--> Ich kann immerhin schreiben.
Ich hatte gedacht, wenn man schreiben kann, dass man auf jeden Fall lesen kann, irre ich mich?

--> Mein Name ist Richard Kreutzner, mein Beruf Bibliothekar, auch wenn ich diesen noch nicht praktisch ausüben konnte. In Freiberg, gelegen in der Markgrafschaft Meißen, wurde ich vor zweiundzwanzig Jahren geboren. In London wurde ich vor acht Monaten wegen Piraterie zum Tode verurteilt. Allerdings hatte man mir Begnadigung in Aussicht gestellt, wenn ich der Royal Society ein gewisses Artefaktum beschaffe. Es befand sich auf der Insel Arcadia im Indischen Ozean. Sahir und ich hatten es dort an einer geheimen Stelle vergraben, damit es nicht in falsche Hände falle. Doch kurz danach wurde ich von Piraten von der Insel verschleppt. Meine Frau Sahir blieb allein zurück, schwanger mit unserem Kind.

--> Das ist mir als Leser zu viel Infodumping. Ich finde es schöner, Häppchenweise mit Infos aus der Vergangenheit gefüttert zu werden


--> „Was bringt Euch auf diesen Gedanken?“
„Vor einiger Zeit erwarb ich Ware aus einer Korsarenbeute. Darunter befand sich eine junge Frau indischen Geblüts mit ihrem kleinen Sohn.“
Der Wesir schwieg.

Das empfinde ich als ersten spannende Moment im zweite Kapitel

- Die Eskalation am Ende fand ich sehr spannend, sodass ich gerne weiterlesen möchte, um zu wissen, wie es ausgehet.

Trotzdem hatte ich das Problem als Leser in zweitem Kapitel besonders bevor die Begegnung stattgefunden hat, mit den vielen Informationen zurechtzukommen. Frage an dich, sind diese Informationen alle notwendig, um diese Kapitel zu erzählen? Könnte man das auf eine halbe Seite einstampfen und gleich zur Verhandlung kommen? Die finde ich nämlich spannend

Und was ich nicht ganz verstanden habe, wo ist die Stimme geblieben? Redet die nicht öfters mit einen? Würde ich auch als Leser spannend finden, wenn sie zwischendurch Kommentare abgibt. Sonst wäre das eher eine einmalige auditive Vision. Und so eine Vision habe ich besonders im biblischen Kontext mit einem besonderen Ereignis verknüpft (brennender Busch zum Beispiel).

Ich bin gespannt, ob unser Protagonist seine Tochter befreien wird. ♡


jcl

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #17 am: 15 January 2025, 13:55:30 »
Danke für die ausführlichen Kommentare! Ich kann die Einwände alle nachvollziehen, nur den ersten Satz im zweiten Kapitel will ich so lassen, denn ich brauche ihn für den Übergang zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Der Text ist schon etwas älter und das Buch mittlerweile fast fertig. Die Passage im zweiten Kapitel liest sich jetzt anders, du findest die aktuelle Version als Leseprobe auf https://books.lotter.org.

merin

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #18 am: 15 January 2025, 18:22:03 »
Dann wäre es vielleicht gut, wenn ich diesen Thread mal schließe? Sonst machen sich vielleicht noch weitere Teufel umsonst Mühe.
Ich röste zunächst immer, ohne andere Röstungen zur Kenntnis zu nehmen. Dabei ist mein Ansatz der, eine qualifizierte Leser*innenmeinung abzugeben, Euch also zu verraten, wie der Text auf mich wirkt und wie es mir beim Lesen geht und was ich gern anders hätte.

jcl

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Re: Utopia - Anfang
« Antwort #19 am: 15 January 2025, 19:28:21 »
Klar, kann geschlossen werden.

Viskey

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  • Schwester Feuerwasser aus der Hölle
Re: Utopia - Anfang
« Antwort #20 am: 15 January 2025, 19:47:03 »
 :closed:
"There is no such thing as bad work, just unfinished work." - Eric Idle