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Autor Thema: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?  (Gelesen 9161 mal)

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Sirius

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Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« am: 11 Januar 2014, 09:08:56 »
wenn Kinder an Bücher herangeführt werden, behalten sie auch oft als Erwachsener die Freude am Lesen - Bücher werden ihnen vertraut.
Der heutige Markt wird mit neuen Büchern geradezu überschwemmt. Alte Kinderbücher werden immer wieder neu aufgelegt - sie haben sich bewährt. Doch neue gibt es sehr selten.
Was könnte der Grund dafür sein?
Haben Schreiber/innen vielleicht Scheu davor, von den Kollegen als "nicht ernsthafte Schreiber" bezeichnet und manchmal sogar belächelt zu werden?
Oder langt die Phantasie bei den heutigen Schreiber nicht mehr aus, um ein Kinderbuch zu schreiben und zwar so, wie Kinder es gerne lesen würden und nicht, wie der Schreiber sich vorstellt, dass Kinder es gerne hätten?

Sarahleandra

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #1 am: 11 Januar 2014, 10:29:53 »
Da stellt sich mir zuerst die Frage, wie genau du hier "Kinderbücher" definierst.
Meine beiden Leseratten sind 7 und 10, und für sie gibt es einen schier endlosen Pool an Neuerscheinungen.
Beide lesen z.B. gerne "Die drei ??? Kids", oder "Das magische Baumhaus". Auch andere Reihen für Kinder in diesem Alter erscheinen laufend.
Für die ganz Kleinen kann ich das nicht so genau sagen, das ist bereits aus meinem Fokus raus.
Sicherlich ist z.B. Astrid Lindgren nach wie vor aktuell, das wird sie auch immer bleiben.
Aber dennoch sehe ich aus Sicht der Mutter nicht, das neuer Lesestoff fehlen würde.

Sirius

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #2 am: 11 Januar 2014, 10:41:52 »
hallo Sarahleandra,

es ist schön, dass deine Kinder lesen.
Ich nehme an, dass du sie an Bücher heran geführt hast, zuerst durch Vorlesen, das ihre Neugierde auf Bücher geweckt hat.
Das magische Baumhaus ist eine Reihe, die bei Kindern gut ankommt (habe ich durch Unterhaltungen mit Kindern erfahren und auch selber gelesen).
Astrid Lindgren wird immer aktuell bleiben, sie war eine wundervolle Schriftstellerin, die wusste, was Kinder an Lektüre brauchen.
Und doch kommt nach meinen Erfahrungen selten etwas Neues auf den Markt, gemessen an der Flut von Erwachsenen-Büchern. Eine Verlegerin sagte mir kürzlich, dass es schwierig wäre, etwas wirklich Brauchbares für Kinder zu finden, bei dem sich die Veröffentlichung lohnt.

Ionasa

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #3 am: 11 Januar 2014, 11:09:53 »
"Das magische Baumhaus" und "Zeitdedektive" etc. wär mir jetzt auch direkt eingefallen - aber ich glaube, ich verstehe, was du meinst.
Vielleicht ist es ja so, dass gerade weil es diese Astrid Lindgren Bücher gibt und "jeder" damit großgeworden ist und deswegen seinen  Kindern genau diese Bücher auch vorliest/lesen lässt, gibt es vielleicht keinen allzugroßen Markt für neue "echte" Kinderbücher - in dem Alter suchen die Eltern aus, die wie o.g. "vorbelastet" sind und weniger die Kinder - und ab dem Alter, wenn die Kinder selber aussuchen, gibt es eben diese Schwemme von neuen Büchern.
...meine Vermutung... :devcool:
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Sirius

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #4 am: 11 Januar 2014, 11:31:10 »
hallo Ionase,

mit deiner Vermutung könntest du durchaus recht haben.
Aber ist es das alleine, was Schriftsteller davon abhält, Kinderbücher zu schreiben?
Bei der Einladung eines Verlages an die Autoren, die dort in den letzten beiden Jahren veröffentlicht haben, wurde auch über das Thema "Kinderbücher schreiben" gesprochen.
Die meisten dieser Autoren waren der Meinung, dass diese Art des Schreibens Spielerei wäre und man das einem "ernsthaften" Schriftsteller nicht zumuten könnte.
Das hat mich einerseits nachdenklich gemacht und andererseits fand ich diese Einstellung überheblich.
Oder ist das evtl. eine allgemeine Einstellung?

Sarahleandra

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #5 am: 11 Januar 2014, 11:32:54 »
Haben Schreiber/innen vielleicht Scheu davor, von den Kollegen als "nicht ernsthafte Schreiber" bezeichnet und manchmal sogar belächelt zu werden?
Nein, das glaube ich eigentlich nicht. Eher:
Oder langt die Phantasie bei den heutigen Schreiber nicht mehr aus, um ein Kinderbuch zu schreiben und zwar so, wie Kinder es gerne lesen würden und nicht, wie der Schreiber sich vorstellt, dass Kinder es gerne hätten?
Kinderbücher zu schreiben, ist aus meiner Sicht um vieles schwieriger, als Erwachsenenbücher.
Ich versuche mal, das für mich festzumachen:
Wir Erwachsenen lesen natürlich hauptsächlich Erwachsenenliteratur. Dadurch - und durch unser eigenes Sprechen - haben wir einen anderen Satzbau und Sprachrhythmus, als Kinder und folglich auch Kinderbücher.
Wir sprechen und schreiben länger, komplexer.
Sich auf das Niveau von Kinder "herunterzulassen", ihre Fantasiewelt zu betreten und zu bereichern, ist in meinen Augen ein schmaler Grat zwischen Kindsein und herablassend werden.
Kann ich das jetzt richtig ausdrücken?  :dontknow:
Ich habe Kinderbücher zur Ansicht bekommen, die hatten bestenfalls Schulaufsatzniveau der achten oder neunten Klasse.
Nicht ansprechend für Kinder, sondern gewollt auf ihr eigenes Niveau heruntergelassen. Das wirkte für mich herablassend.
Um wieder Astrid Lindgren hervorzuholen: Sie schafft es, mit einer reichen, dennoch knappen Sprache Kinder mitzunehmen - und Erwachsene ebenso.
Und dieses Feingefühl zu haben, ist zum einen sicherlich eine große Begabung, zum anderen schwer zu erlernen.

Pandora

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #6 am: 11 Januar 2014, 12:17:21 »
.
« Letzte Änderung: 11 November 2014, 10:22:04 von Pandora »

Mooncat

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #7 am: 11 Januar 2014, 13:25:31 »
Mein Gottenkind kommt gerade ins Alter, wo Bücher langsam interessant werden (2.5 Jahre), daher sieht man mich jetzt regelmässig wieder in der Kinderbuchabteilung - und deinen Eindruck kann ich eigentlich nicht teilen. Mich dünkt, es hat sehr viel neues auf diesem Markt. Muss dazu aber auch sagen, dass wir einen fantastischen Kinderbuchladen haben, die einen wunderbar beraten.

Und in die Jugendliteratur schaue ich auch immer mal wieder rein, weil die oft echt coole Stories haben. Und auch da finde ich mangelt es nicht an Frischfutter. Und Neuauflagen gibt es sicher auch, aber ich finde ehrlich gesagt, viel zu wenige. Ich vermisse viele der Autoren, die mich als Kind und Jugendliche begeistert haben.

Wozu übrigens Astrid Lindgren gar nicht gehörte. Gut, ich mutierte erst in der 3. Klasse zum Buchwurm, der sich gierig durch die Regale frass, da war sie vielleicht schon etwas zu jung für mich. Aber ich habe da Erich Kästner viel mehr geliebt. Und als ich anfing - und bis heute eigentlich noch nachwirkend, sind meine Autorenheldinnen Enid Blyten und Frederica de Cesco. Es gibt noch ein paar weitere, aber das waren die zwei ersten und wichtigsten für mich.

Was den Ruf angeht: ich finde nicht, dass sie so einen Ruf haben. Bei mir ist es eher das Gegenteil, ich habe grossen Respekt. Es ist nicht einfach, gerade für Kinder etwas zu schreiben, das ihnen gefällt und den hohen Ansprüchen der Eltern (oder Gotten) genügt. Ich glaube nicht, dass ich es könnte. Versucht habe ich es nie ... Wobei es mich halt auch kaum interessiert. Ich mag Mord und Totschlag und Intrigen und zwischendurch auch etwas heisses Liebesgeflüster. Und zwar in einem Masse, das kein PG 12 oder auch nur 16 bestehen würde.
Das Leben ist kurz - der Tod ist ewig.
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Haramis

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #8 am: 11 Januar 2014, 13:37:20 »
Was sind "Gotten"? Paten? :dontknow:

tlt

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #9 am: 11 Januar 2014, 14:34:54 »
Kinderbücher zu schreiben, ist aus meiner Sicht um vieles schwieriger, als Erwachsenenbücher.
...
Sich auf das Niveau von Kinder "herunterzulassen", ihre Fantasiewelt zu betreten und zu bereichern, ist in meinen Augen ein schmaler Grat zwischen Kindsein und herablassend werden.
Da bin ich absolut bei dir. Ich habe vor vielen (sehr vielen) Jahren einmal einen Autor getroffen (Name leider vergessen), den ich eigentlich aus dem Krimi-Genre kannte und der in unserer Bücherei eine Lesung hielt. Hab natürlich nicht richtig gelesen, und es war ein Jugendbuch. Na ja, wenn ich schon mal da war ... Hinterher wurde dann diskutiert und jemand hat gefragt, wie er dann dazu käme und er meinte, dass das wirtschaftliche Gründe hätte. An einem Jugendbuch schreibt er ein halbes Jahr, an einem Krimi mindestens zwei. Da meinte dann auch jemand, dass er dann ja Kinderbücher schreiben könnte, ging ja noch schneller und er meinte: Nein, das wäre, zumindest nicht für ihn. Zu kompliziert.
Andererseits verschiebt sich das ja auch ein wenig. Ich hatte gestern das Vergnügen, eine Bravo in die Finger zu bekommen.  :glotz: Also, die meisten Artikel würden hier nicht veröffentlicht. Nicht, weil sie so mies geschrieben sind, sondern wegen  :unzucht: Aber ganz heftig.
Ich bin zu alt für das alles.

Sarahleandra

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #10 am: 11 Januar 2014, 14:39:26 »
Andererseits verschiebt sich das ja auch ein wenig. Ich hatte gestern das Vergnügen, eine Bravo in die Finger zu bekommen.  :glotz: Also, die meisten Artikel würden hier nicht veröffentlicht. Nicht, weil sie so mies geschrieben sind, sondern wegen  :unzucht: Aber ganz heftig.
Das habe ich schon länger beobachtet und nicht für gut befunden  :watchout:
Aber das ist wohl ein anderes Thema für einen anderen Thread  ;)

Sirius

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #11 am: 11 Januar 2014, 15:29:13 »
Zitat


Sich auf das Niveau von Kinder "herunterzulassen", ihre Fantasiewelt zu betreten und zu bereichern, ist in meinen Augen ein schmaler Grat zwischen Kindsein und herablassend werden.


Kindsein während der Phase, in der eine Geschichte entsteht, ist gut. Diese Vorstellungen dann so rüberzubringen, dass sie bei Kindern ankommen, ist etwas schwieriger.
Kinder erkennen sehr schnell, ob etwas richtig empfunden ist oder nicht.
Und Herablassung bemerken sie beinahe sofort.

Es wird hier im Forum immer wieder mal das Thema "Schreibratgeber" besprochen.
Gibt es auch Schreibratgeber für Kinderbücher?

Trippelschritt

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #12 am: 11 Januar 2014, 16:58:37 »
hallo Ionase,

mit deiner Vermutung könntest du durchaus recht haben.
Aber ist es das alleine, was Schriftsteller davon abhält, Kinderbücher zu schreiben?
Bei der Einladung eines Verlages an die Autoren, die dort in den letzten beiden Jahren veröffentlicht haben, wurde auch über das Thema "Kinderbücher schreiben" gesprochen.
Die meisten dieser Autoren waren der Meinung, dass diese Art des Schreibens Spielerei wäre und man das einem "ernsthaften" Schriftsteller nicht zumuten könnte.
Das hat mich einerseits nachdenklich gemacht und andererseits fand ich diese Einstellung überheblich.
Oder ist das evtl. eine allgemeine Einstellung?

Ich habe gelesen, dass Michael Ende nie als ernsthafter Autor anerkannt worden ist - und darunter auch gelitten hat - weil er Kinderbücher schrieb.
Offensichtlich sieht die branche das so.

Außerdem kenne ich Klagen, dass Kinderbücher schlechter bezahlt werden als Mainstreamautoren.
Andererseits habe ich gehört, dass die Kinderbuchautoren sich gegenseitig auf den Füßehn herumtreten, so viele wären es.

Alles aus zweiter Hand und entsprechend ungeprüft.
Trippelschritt
Womit kann der alte Vol'jin Euch helfen

Sirius

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #13 am: 11 Januar 2014, 17:33:00 »
Zitat

Ich habe gelesen, dass Michael Ende nie als ernsthafter Autor anerkannt worden ist - und darunter auch gelitten hat - weil er Kinderbücher schrieb.
Offensichtlich sieht die branche das so.



ich bin der Meinung, dass nicht alle Bücher von Michael Ende reine Kinderbücher sind.
"Jim Knopf" und "Der Wunschpunsch" (mit dem Namen, den ich mir nie merken kann) können wohl dazu gezählt werden. Aber "die unendliche Geschichte" oder "Momo" könnten doch eher für Erwachsene geschrieben sein (wobei auch die Länge eine Rolle spielen mag).

Ionasa

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Re: Kinderbücher - warum gibt es so wenig neue davon?
« Antwort #14 am: 11 Januar 2014, 21:15:47 »
Das mit M. Ende kann ich auch nicht nachvollziehen- hat man das dem O. Preussler auch "vorgeworfen"?

Aber dann listen wir doch ein paar der "echten" Kinderbücher auf, denn irgendwie scheint auch da die Grenze zu verschwimmen...und die Geschmäcker verschieden zu sein?
Was kennzeichnet ein gutes Kinderbuch im Gegensatz zu einem Jugendbuch?
Wenn ich nach dem gehen würde, was meine Mutter mir noch vorgelesen hat oder was ich dann selber gelesen habe ... ? Keine Ahnung, wo die Grenze ist? :rotwerd:
z.B. Ist der (original) Nils Holgerson (der "Die wundersame Reise" heißt) dann noch ein Kinderbuch? Der wurd mich im Grundschulalter vorgelesen, den hätte ich aber sicher nie selber gelesen...
Meine Enid Blyton Phase hatte ich auch - lange - aber die hätte ich niemals vorgelesen haben wollen, das musste selbst gelesen werden...
Und die ganzen Bücher von René Guilott - die hab ich tlw. in der 1. Klasse gelesen - aber wenn ich da heute so drüber nachdenke, waren das sicher keine "echten" Kinderbücher, die waren mitunter ganz schön rau!
Wo ist denn die Grenze, an der "nicht mehr über die Autoren gelächelt wird"?
Wer keinen Schimmer hat, kann auch nicht glänzen. (Unbekannt)

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